Hessenmeisterschaft 2015

Historische Dimensionen erreicht

HESSENMEISTERSCHAFT

Kanuten des WSV Lampertheim holen in Wiesbaden 32 von 38 Titeln / Mit Langstrecke und Mehrkampf 47 Mal Gold WIESBADEN ­ (mar/red).

 

Die Hessischen Schülermeisterschaften haben zum zweiten Mal hintereinander in Wiesbaden den Saisonabschluss der Kanurennsportler gebildet. Die Erfolge des Wassersportvereins Lampertheim erreichten diesmal „eine noch nicht dagewesene historische Dimension“, so WSV­Cheftrainer Dieter Brechenser. In der Landeshauptstadt konnte der WSV von 38 zu vergebenden Hessenmeistertiteln 32 für sich beanspruchen. Außerdem errangen die Lampertheimer Sportler noch 14 zweite und sieben dritte Plätze, die den totalen Triumph perfekt machten. Bei der Siegerehrung wurden auch die Hessischen Meistertitel auf der Langstrecke und des Kanumehrkampfs geehrt. Auch hier war der Wassersportverein sehr erfolgreich, zusammen gab es damit 47 Hessische Meistertitel für die Spargelstädter.

Eine beeindruckende Zahl. Optimal vom Start weg Schon vom ersten Rennen an lief es optimal für den Wassersportverein. Bei den Schülerinnen C gab es in der Altersklasse 8 Jahre einen Doppelsieg für Sophie Henkelmann und Cara Di Virglio über die 200­ und 500­mStrecke. Bei den neunjährigen Mädchen hatte Anna Hofmann gegen eine ihrer Konkurrentinnen beim letzten Wettkampf noch verloren. Doch die Chance auf den Meistertitel setzte bei ihr zusätzliche Kräfte frei. Sie gewann das Einerrennen über 200 und 500 m. Zusammen mit Marlene Görling im Zweier waren die Lampertheimer Schülerinnen C ebenfalls die schnellsten. Auch die Schülerinnen B des WSV waren nicht zu schlagen: Hier gewannen Klara von Allwörden und Franka Thierfelder ihre Einerrennen über beide Strecken. Bei den Jungs der AK 8 fuhr Fin Weidner erst sein zweites Rennen und konnte gleich den Vizemeistertitel erkämpfen. In der Altersklasse 9 Jahre hatte der WSV gleich sechs Sportler im Finale. Und auch in dieser Klasse gab es mit David von Allwörden einen Überraschungssieger. Sein Mannschaftskollege Elias Lamm konnte noch die Bronzemedaille erringen. Bei den Zehnjährigen war Dario Strubel vom WSV wie immer recht nervös vor seinen Rennen, konnte aber doch sein ganzes Können abrufen und sich zwei Mal Gold in seinen Einerrennen holen. Im letzten Jahr konnte Phillip Reiber krankheitsbedingt nicht in den Kampf um die Hessenmeistertitel eingreifen, aber in diesem Jahr demonstrierte er seine Ausnahmestellung in der Altersklasse 11. Er gewann über 200 und 500 m Gold vor seinem Mannschaftskollegen Anton Klose.

Den zwölfjährigen Schülern der Spargelstädter gelang es, alle drei Medaillen über 200 und 500 m zu gewinnen. Gold ging an Janek Soballa, Silber an Heiko Graef und Bronze an Lukas Schühle. Bei dieser Überlegenheit in den Einerrennen galten die Lampertheimer Jungs natürlich als Favoriten für die Mannschaftsboote. Und sie wurden dieser Favoritenrolle auch vollauf gerecht. Einen Doppelsieg gab es im Zweier von Heiko Graef/Lukas Schühle und Janek Soballa/Anton Klos. Die Goldmedaille im Vierer ging natürlich auch an diese Vier.

Nichts geschenkt

Enge Rennen lieferten sich zuletzt die 13­jährigen Schüler A Simon Specht und Yannick Bauer vom WSV. Immer erst auf den letzten Metern wurden die Einerrennen entschieden. Über die 500 m gewann Simon Specht, über 200 m Yannick Bauer. Geschenkt haben diese zwei Sportler sich nichts. Mit einem eher ruhigen Rennen konnten sich die überlegenen A­Schüler dann auch den Hessentitel im Zweier holen.

Bei den 14­jährigen Schülern gewann Bastian Lulay überlegen die Rennen über 200 und 500 m. Auch bei den Schülerinnen A kam die größte Konkurrenz immer aus dem eigenen Verein: So gewann über die 500­m­Strecke Riccarda Lulay vor Julia Reichert Donato und Lea Custodis. Über die 200 m fuhr Julia Reichert Donato ein super Rennen und war auf dieser Strecke die Goldmedaillengewinnerin vor ihren Mannschaftskolleginnen. Erneuter Doppelsieg Die Medaillengewinnerinnen bei den Mädels in der Altersklasse 13 kamen ebenfalls vom WSV: Hessenmeisterin über 200 und 500 m wurde Sarah Bauer vor ihrer Mannschaftskollegin Johanna Görling. Nach diesen EinerErgebnissen zeigten die Mädchen, dass sie auch Mannschaftsboot fahren können. Es kam wieder zu einem Doppelsieg. Riccarda Lulay/Sarah Bauer gewannen Gold, und Johanna Görling/Lea Custodis saßen im Silberboot über die 200­m­Strecke. Auf den 500 m der gleiche Zieleinlauf, nur dass im Silberboot nun Lea Custodis mit Julia Reichert Donato saß.

„Natürlich hatten die WSV­Trainer vor dieser Hessenmeisterschaft Träume, aber dieses Ergebnis übertraf auch die kühnsten Erwartungen“, so Dieter Brechenser. Für die Sportler war es zum Abschluss der Saison natürlich der perfekte Motivationsschub für das nun anstehende Wintertraining.

Lampertheimer Zeitung 02.10.2015

GGEW Spende

„Ein Kristallisationspunkt“

 

Gemeinsame Sache: Verteter des WSV und des Kanu-Clubs nehmen die Spende entgegen.
Foto: AfP Asel

KANUAKADEMIE Teilzeitinternat wird von GGEW AG mit 6 000 Euro unterstützt

LAMPERTHEIM - (mpr). Nur in einem Punkt herrscht eine kleine Prise Unstimmigkeit. „WSV“, sagt Heiko Kiebel entschieden, als es um den Heimatverein der so erfolgreichen Kanutin Nicole Reinhardt geht. „Aber gelernt hat sie bei uns“, kontert Rolf Borkenhagen. Doch das Mitglied des Wassersportvereins sowie der Zweite Vorsitzende des Kanu-Clubs Lampertheim werden sich schnell einig: Auch die ehemalige Olympiasiegerin kann als ein Kind der guten Zusammenarbeit betrachtet werden. So wie die Kanuakademie, die seit September 2014 von den beiden am Altrhein gelegenen Vereinen betreut wird. „Beide sind hervorragend“, findet auch Dr. Peter Müller von der GGEW AG. Am Montag besuchte der Vorstand des Energiedienstleiters gemeinsam mit der Bereichsleiterin Susanne Schäfer die Akademie, um sie mit einer Spende in Höhe von 6 000 Euro zu unterstützen.

Kalt ist es an diesem Nachmittag, kleine Eisschollen schwimmen auf dem Altrhein, der GGEW-Vorstand ist in einen dicken, hellbraunen Schal gepackt. Nicht daran zu denken, sich dem ruhigen Gewässer weiter zu nähern als notwendig. Wie gut das Teilzeitinternat funktioniert, erfährt Dr. Müller auch so. Von Kiebel und Borkenhagen ohnehin, aber auch von Bernd Brechenser, dem Vorsitzenden der Kanuakademie sowie von Erika Gabler, der Vorsitzenden des WSV. Vor allem von der Idee, den Leistungssport zu fördern, ohne dabei die Schule zu vernachlässigen, zeigt sich Dr. Müller bei seinem Besuch begeistert. „Das ist ein Kristallisationspunkt der Region“, findet der Vorstand. Und er betont: „Neben der sozialen und kulturellen Förderung darf man auch den Sport nicht vergessen.“ Aus diesem Grund habe sich die GGEW AG dazu entschieden, das Teilzeitinternat mit einer höheren Summe zu fördern.

  • PADDELN

Am Samstag, 21. Februar, veranstaltet die Akademie von 16 bis 18 Uhr eine Paddelaktion für Kinder im Alter von sieben bis zehn Jahren im Hallenbad der Biedensand Bäder.

Zwölf junge Teilnehmer zählt die Kanuakademie mittlerweile. Einer von ihnen, der achtjährige David, ist von Anfang an dabei. Neugierig nähert er sich am Montag der Besuchergruppe. „Wart ihr heute auch im Wasser?“, erkundigt sich Suanne Schäfer. „Ja, eine halbe Stunde“, antwortet der Junge. „Cool“, so die Bereichsleiterin nickend. Stets sei die GGEW AG auf der Suche nach ungewöhnlichen Projekten mit Vorzeigecharakter. „Hier wird ein neues Thema eröffnet“, zeigt auch sie sich von der Verknüpfung von Sport, Schule und Freizeit überzeugt. Geht es nach WSV-Mitglied Heiko Kiebel, wird die Akademie weiter wachsen. 20 bis 25 Nachwuchstalente möchte man noch in diesem Jahr betreuen. Im Vordergrund steht der sportliche Ansporn. „Wir möchten Kinder in Bewegung bringen. Bei uns können sie einen halben Tag ohne Rechner und Handy auskommen“, betont er. Als Hauptkostenpunkte für das Teilzeitinternat seien die Verpflegung sowie die Betreuung aufzuzählen. Insgesamt acht Trainer und Hausaufgabencoaches sind unter der Woche stündlich bis halbtags engagiert. „Das ist eine Leistung, die nicht nur ehrenamtlich honoriert werden darf“, findet Kiebel. Da kommt die Spende des Energieanbieters gerade recht. Zumal man in diesem Jahr Rennboote für Kinder erwerben möchte, um weitere Anreize für den Kanusport zu schaffen. Und vielleicht kommt ja in Zukunft tatsächlich der eine oder andere Olympiasieger aus der Kanuakademie hervor – ungeachtet des Trikots, das er trägt. „Wir unterstützten uns damit gegenseitig. Ein Verein kann so ein Projekt gar nicht alleine tragen“, so Gabler abschließend.

Lampertheimer Zeitung vom 18.02.2015

Südhessen Morgen 19.11.14

Kanuakademie: Zehn Kinder treffen sich seit August täglich zum Training / Nach vier Wochen erster Erfolg bei Hessenmeisterschaft

Paddelinternat nimmt Fahrt auf

 

Von unserem Redaktionsmitglied Kathrin Miedniak

 

Lampertheim. Wer eines Tages Paddelmeister werden will, braucht Ausdauer. "Wir sind gerade drei Kilometer gejoggt", erzählt Dario stolz. Sekunden später klettert der Achtjährige in der Sporthalle des Wassersportvereins (WSV) energiegeladen eine Strickleiter hoch. Müde ist er noch lange nicht - genau wie die anderen Teilnehmer der Kanuakademie. "Abends wollen die Kinder oft gar nicht nach Hause", erzählt der Leiter der Akademie, Bernd Brechenser, schmunzelnd.

Mitte August ist der Startschuss für das Projekt von WSV und Kanuclub (KCL) gefallen. Mitglieder beider Vereine haben sich zusammengetan, um das Teilzeitinternat Kanurennsport zu gründen. Ihr Ziel: Neuen Nachwuchs für den Kanusport gewinnen und gleichzeitig eine Ganztagsbetreuung anbieten. Sieben Kinder waren vom ersten Tag an dabei, mittlerweile sind es schon zehn. Platz für 20 Teilnehmer bietet das Projekt. "Wenn es mehr werden: umso besser", sagt Brechenser. "Dann nutzen wir auch noch die Räume des Kanuclubs mit."

Bisher kommen die Acht- bis Elfjährigen nach der Schule alle zum Vereinshaus des WSV. Ist der Weg von der Schule dorthin zu weit, sammelt Vereinsmitglied Dimitri Isaak die Kinder mit dem Auto ein. An vier Tagen die Woche hilft er Brechenser bei der Betreuung, zwei weitere Helfer arbeiten teilzeit mit. "Aber die Kids wollen alle nur sein wie Dimitri", sagt Brechenser und grinst, dann wird er ernst: "Vor allem für die Söhne von alleinerziehenden Müttern ist der Kontakt zu männlichen Bezugspersonen wichtig."

Erst Hausaufgaben, dann Sport

Es ist früher Nachmittag, Dimitri Isaak trocknet gerade das Mittagessengeschirr ab. An diesem Tag hat der auf Kita- und Schulverpflegung spezialisierte Caterer Herweck Kürbissuppe und Pfannkuchen geliefert. "Den Kindern schmeckt das Essen gut, vor allem wenn es Pfannkuchen gibt", sagt Brechenser.

In der Halle nebenan toben schon die Akademieteilnehmer, die keine Hausaufgaben zu erledigen haben. Der Rest brütet noch im ehemaligen Vorstandszimmer über Aufsätzen und Rechenübungen. Der WSV hat kurzerhand einige Tische in den Raum gestellt. "Das Zimmer wurde ohnehin nicht genutzt, genau wie die Halle, die tagsüber immer leer stand", erklärt Brechenser. Jetzt ist mittags viel Leben im Vereinshaus.

"Und, Julien, geht's zum Joggen?", fragt Dimitri Isaak den letzten Jungen, der noch über seine Hausaufgaben erledigt. "Nur noch zwei Matheübungen", antwortet Julien. Seine Hausaufgabenbetreuerin - eine Oberstufenschülerin des Lessing-Gymnasiums - nickt. "Er kommt gleich." Draußen scharen sich die Kinder in Joggingkleidung um Isaak, gemeinsam geht es auf die Laufrunde. "Im Winter ist der Wind zu kalt, um mit den Kindern auf dem Wasser paddeln", erklärt Brechenser.

Während der Paddelnachwuchs sich warmläuft, baut er in der Sporthalle ein Zirkeltraining auf: ein Gymnastikball zum Balancieren, ein Punchingball, um Aggressionen wegzuboxen, Matten, Bälle und natürlich zwei Kanu-Ergometer. Athletiktraining steht auf dem Programm, ganz allgemein Ausdauer und Fitness. "Donnerstags machen wir immer Ballspiele, aber am liebsten beschäftigen sich die Kinder selbst mit den Materialien hier", sagt der Trainer.

Fortschritte machen stolz

Akademieteilnehmerin Anna bestätigt das. "Wir können hier überall rumtoben, das ist toll", erzählt die Achtjährige. Der gleichaltrige Christoph, der gerade mit den anderen Jungs vom Joggen zurückkommt, mag dagegen das Laufen am liebsten. Und das Paddeln, natürlich. Einige der Kinder saßen noch nie zuvor in einem Kanu, haben sich aber sehr schnell mit dem Sport vertraut gemacht. "David ist vier Wochen, nachdem er bei uns zum ersten Mal im Kanu saß, Hessenmeister in seiner Altersklasse geworden", erzählt Brechenser.

Ein Fall, an dem der erfahrene Trainer den Unterschied zwischen täglichem und einmal wöchentlichem Training merkt. "Wenn man die Kinder jeden Tag sieht, kann man viel intensiver an der Technik arbeiten." Die sei bei all seinen Schützlingen mittlerweile "echt klasse", betont der Trainer stolz. Die Kanuakademie ist für ihn schon jetzt, gerade mal drei Monate nach ihrem Start, ein Erfolg. "Es macht einfach Spaß, wenn man die Fortschritte der Kinder sieht."

© Südhessen Morgen, Mittwoch, 19.11.2014
 
 

 

BASF Sportspende

Lampertheim 05.12.2014

BASF Unternehmen spendet 4 000 Euro für Kanuakademie des WSV und KCL

LAMPERTHEIM - (red/aheu). Viele Vereine treibt die Sorge um, dass der Nachwuchs eines Tages ausbleiben könnte. In Zeiten vollbepackter Stundenpläne und geändertem Freizeitverhalten der Jugendlichen fällt die Bindung an einen Verein vielleicht etwas schwerer. Der Lampertheimer Wassersportverein (WSV) und der Kanuclub (KCL) haben mit der Kanuakademie ein ganz eigenes Konzept entwickelt, umd Schüler der dritten bis siebten Klassen an den Kanusport heranzuführen und Schule wie Sport besser miteinander zu verbinden. So bietet die Kanuakademie neben dem Training auch ein gemeinsames Essen sowie eine Hausaufgabenbetreuung an. Bis zu 20 Kinder haben in der Kanuakademie Platz. Nun ist auch die BASF auf das Projekt aufmerksam geworden und hat die Kanuakademie jüngst im Gesellschaftshaus des Unternehmens mit einer Sportspende bedacht.

Mit einer Gesamtfördersumme von 50 000 Euro unterstützt das Unternehmen die Sportvereine dabei, innovative und zukunftsfähige Vereinsprojekte zu entwickeln und professionell umzusetzen. Die Leiterin der Abteilung Social Engagement & Work-Life Management der BASF, Karin Heyl, überreichte die Spendenbriefe an die BASF-Paten und Vereinsvertreter der Projekte. Mit dem Sportspendenprojekt fördert BASF Sportvereine, die sich mit innovativen Konzepten für die Zukunft aufstellen wollen. „Sportvereine nehmen in unserer Gesellschaft eine bedeutende Rolle ein, stehen heute jedoch vor komplexen Herausforderungen“, erklärte Heyl. „Die Art, wie sich die Mitglieder für ihre Vereine engagieren, hat sich stark verändert und der Altersdurchschnitt ist gestiegen. Um ihre Attraktivität und Zukunftsfähigkeit zu sichern, müssen Sportvereine nachhaltige Vereinsstrategien entwickeln. Dabei wollen wir sie unterstützen“, so Heyl weiter.

Die BASF bietet den prämierten Vereinen neben einer einmaligen zweckgebundenen Spende eine individuelle Schulungsmaßnahme zum Thema „Projektorganisation und Projektmanagement“ an. „An guten Ideen mangelt es in den Sportvereinen oftmals nicht. Es ist jedoch wichtig, dass die Planung und die Organisation professionell und zielgerichtet durchgeführt werden. Dazu gehört auch, fachspezifische Arbeitsteams zu bilden, ein Projekt solide zu konzipieren und umzusetzen. Dies können die Teilnehmer in den Schulungen erlernen und im Rahmen ihrer eingereichten Projekte anwenden“, sagt Dr. Markus Gomer, Leiter der Einheit Fitness & Health Prevention der BASF.

Das Unternehmen fördert mit dem Sportspendenprojekt 2014 bereits zum neunten Mal innovative Projekte von Sportvereinen in der Region.

Insgesamt wurden bisher 150 Vereine prämiert und über 500 000 Euro ausgeschüttet.

BASF-Mitarbeiter, die sich in Vereinen als Mitglieder engagieren, übernehmen dabei eine Patenfunktion und bilden so das Bindeglied zwischen Verein, Unternehmen und Projektleitung. Bei dem diesjährigen Sportspendenprojekt haben im Bewerbungszeitraum von Juni bis September 45 Vereine aus der Metropolregion ihre Konzepte eingereicht. Zu den wichtigsten Anforderungen gehörte eine umfassende Projektbeschreibung mit Zeit- und Kostenplan.

Zusätzlich wurden die Machbarkeit, der Innovationsgehalt und die längerfristige Wirkung des Projekts bewertet. Die Projekte konnten sowohl vereinsintern als auch in Kooperationen mit weiteren gemeinnützigen Institutionen, wie anderen Sportvereinen, Schulenoder Kommunen, angelegt sein. Aus allen Einsendungen wählte eine Jury der BASF 15 Konzepte aus. Die Gewinner, zehn Vereine aus der Pfalz, drei aus Baden-Württemberg und zwei aus Hessen, können nun mit der Umsetzung beginnen. Für Bernd Brechenser, dem Ersten Vorsitzenden der Kanuakademie, ist die BASF-Sportspende eine „besondere Anerkennung für unsere geleistete Arbeit“. Über die Würdigung freue er sich sehr. Von den 50 000 Euro, die im Spendentopf waren, erhalte die Kanuakademie 4 000 Euro.

Quelle: Lampertheimer Zeitung

 

Die Welt vom 13.10.14

 

Was ist Deutschland sein Leistungssport wert?

 

Der internationale Konkurrenzkampf im Spitzensport wird immer härter, deutsche Leistungssportler drohen durch ineffektive Strukturen ins Hintertreffen zu geraten. Was ist dagegen jetzt zu tun? Von Jens Hungermann <http://www.welt.de/autor/jens-hungermann/>

 "Welchen Spitzensport wollen wir? Vor dieser Frage werden sich die Politik, der organisierte Sport und die Gesellschaft nicht drücken

können." Mit diesen Schlussworten beendete die Vorsitzende im Sportausschuss, Dagmar Freitag (SPD), am späten Montagnachmittag eine gut dreistündige öffentliche Anhörung im Bundestag. "Neue Strukturen für die Spitzensportförderung" lautete das Zukunftsthema – es war eines, das ohne Fragezeichen formuliert war. Fast kommt es einer Aufforderung gleich.

Die vergangenen beiden Auflagen der Olympischen Spiele – London 2012 im Sommer und Sotschi 2014 im Winter – haben der sportverliebten Nation nicht nur vor Augen geführt, dass die Wettbewerbsdichte auf internationalem Niveau in vielen Sportarten immer höher wird. Sondern auch, dass deutsche Leistungssportler in diesem Wettbewerb zunehmend ins

Hintertreffen geraten. Ein Blick auf das plakativste Messinstrument – den olympischen Medaillenspiegel – zeigt: Bei Winterspielen gab es zuletzt 43 Prozent, bei Sommerspielen 66 Prozent weniger Medaillen als vor 26 Jahren.

Die Diskussion über neue Sportförderstrukturen im Lande ist nicht neu, doch scheint sie drängender denn je. "Der Rückgang olympischer und paralympischer Medaillen seit 1988 bis heute stellt einen klaren Negativtrend dar. Ursachen können nur systemischer Natur sein, nicht zufällig", meint Joachim Mester, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Forschungszentrums für Leistungssport Köln.

Mesters Urteil zum Status quo ist verheerend: "Von einem 'Leistungssportstandort Deutschland' kann kaum noch gesprochen werden." Der Sportwissenschaftler moniert u.a. mangelnden Wettbewerb im Betreuungssystem, eine an Zuständigkeiten statt an Kompetenzen ausgerichtete Förderung auf Bundesebene und unzureichende Einbindung wissenschaftlicher Einrichtungen.

Arndt Pfützner, Direktor am Leipziger Institut für Angewandte Trainingswissenschaft, fordert eine Professionalisierung und

Systematisierung des deutschen Leistungssports. Er meint: "Deutschland braucht eine Leistungssportstrategie" – womit klar wird: Bislang hapert es daran offenbar.

    Wer führt eigentlich den deutschen Leistungssport?

 "Wir brauchen ein klares, nationales, von der Politik getragenes Ziel", sagt auch Christoph Niessen, Vorstandsvorsitzender im Landessportbund Nordrhein-Westfalen (LSB). Sind der Maßstab zur Beurteilung deutscher Spitzensportresultate nun möglichst viele Medaillen? Oder sind sie es eben nicht? "Es gibt keinen breiten Konsens darüber – auch weil es keine breite Diskussion darüber gibt", kritisiert Niessen. Niessen stichelt: "Man weiß gar nicht so genau, wer den deutschen Leistungssport eigentlich führt." Der Dachverband Deutscher Olympischer Sportbund (DOSB)? Oder doch die Politik in Gestalt der Abteilung Sport im Bundesinnenministerium?

Bei aller Berechtigung des föderalen Sportsystems der Bundesrepublik neigt die Steuerung des Spitzensports zum Zerfasern, Zersplittern, zum Kleinklein – und damit zu Ineffektivität und Reibungsverlusten. Der für gewöhnlich nicht eben behände (re)agierende DOSB weiß um das Problem, hat bereits verschiedene Konzepte aufgelegt, doch trauen Fachleute dem Dachverband in seiner aktuellen Konstellation offenkundig einen großen Wurf nicht zu. Die sich abzeichnende Strukturreform des DOSB mit einem hauptamtlichen Management unter Kontrolle eines ehrenamtlichen Aufsichtsrats scheint angesichts der Herausforderungen überfällig.

Nicht nur Niessen ist ein eindeutiger Befürworter der Reform: "Wenn ich Erfolg haben will im Spitzensport, muss ich unternehmerisch arbeiten", dozierte der LSB-Mann Montag im Sportausschuss, "denn Sport ist ein Produkt wie andere Hochtechnologieprodukte auch." Dabei gehe es nicht "um die Diskreditierung von Ehrenamt. Sondern es geht darum, dass ein Produkt im globalen Wettbewerb zu maximalem Erfolg geführt werden soll. Das muss aus meiner Sicht ein hauptberufliches Management leisten, auf Basis von konkreten Zielvorgaben". Eine Diskussion über neue Strukturen in der Spitzensportförderung sei jedoch "nur dann zielführend, wenn die notwendigen Mittel für einzelne erkannte Korrekturen und Notwendigkeiten bereitgestellt werden", merkt der DOSB-Athletensprecher Christian Breuer zu Recht an.

 Diskussion um die Verteilung der Förderung

 

Tatsächlich ist es ja die Gretchenfrage: Was ist Deutschland sein Leistungssport wert? Gut 130 Millionen Euro beträgt die jährliche Förderung durch das Bundesinnenministerium. Ginge es nach den unter zunehmend höheren Anforderungen ächzenden Sportfachverbänden oder den vom Bund alimentierten wissenschaftlichen Einrichtungen wie IAT und FES (Institut für Forschung und Entwicklung von Sportgeräten), dürfte es gern deutlich mehr sein.

In der haushaltspolitischen Realität jedoch sollen viele Verbände mit gleichen (oder gar schrumpfenden) Etats bei wachsender Anzahl internationaler Wettkämpfe möglichst herausragende Erfolge in Serie feiern. Eine Rechnung, die schwerlich aufgehen kann. "Eines muss uns klar sein: Wenn wir keinen Mittelaufwuchs bekommen, darf dieser Prozess nicht auf Kosten der erfolgreichen Sportarten gehen", barmte der Alpindirektor im Deutschen Skiverband, Wolfgang Maier, im Sportausschuss. Der DOSB-Leistungssportdirektor Bernhard Schwank hingegen kündigte an: "Wir werden im Wintersport möglicherweise harte Entscheidungen treffen müssen."

Mit erkennbarem Verve hat sich DOSB-Präsident Alfons Hörmann in den ersten zehn Monaten seiner Amtszeit daran gemacht, Reformpotenzial auszuloten. Den deutschen Leistungssport sieht er "am Scheideweg": "Marginale Korrekturen würden lediglich zu einem 'Weiter so' führen. Sowohl im Sommer wie im Winter verlieren wir tendenziell an Bedeutung", warnte Hörmann im Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Eine Konzentration auf einige wenige, maximalen Erfolg versprechende Sportarten lehnt er indes ab.

 Leistungssport als Wagnis

Ohnehin müsse sich ein Weltmeister in spe – und sein familiäres Umfeld – heute mehr denn je fragen, ob er das Wagnis Leistungssportkarriere überhaupt eingehen möchte. Die Unsicherheit, ob diese Karriere Erfolg zeitigt, liegt im Wesen des körperliche Ressourcen fressenden Spitzensports begründet; die Unsicherheit, ob eine solche Sportkarriere wirtschaftlich zu verkraften ist, im System.

Gäbe es die Deutsche Sporthilfe nicht, wer weiß, wie viele Sportkarrieren hierzulande vorzeitig beendet gewesen wären. Montag zeichnete Bundeskanzlerin Angela Merkel die Stiftung für deren Initiative "Sprungbrett Zukunft" aus. Am selben Tag wurde die neue Internetplattform "Praktikantenbörse" gestartet, auf der sich Sporthilfe-geförderte Athletinnen und Athleten vor allem mittelständischen Unternehmen als Mitarbeiter auf Zeit vorstellen können.

"91 Prozent der A-Kader-Athleten fühlen sich nicht ausreichend auf das Leben nach dem Sport vorbereitet, ergab eine Studie der Deutschen Sporthilfe aus dem Jahr 2013", sagt Vorstandschef Michael Ilgner. Es sind diese jungen Sportler, die Deutschland im Trainingsanzug bei internationalen Sportgroßereignissen vertreten. Ihnen das Gefühl zu geben, dass die Förderstrukturen effektiv und auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten sind – auch darum muss es bei allem mehr oder minder vorhandenen Reformeifer in Politik und Sportführung gehen.

 

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